Atemschutzgeräte sind Bestandteil der persönlichen Schutzausrüstung eines Feuerwehrmannes. Sie schützen vor Atemgiften und Umweltgiften in der Luft. Aufgrund der giftigen Zusammensetzung von Brandrauch ist Atemschutz bei den meisten Brandeinsätzen unabdingbar.

Das Atemschutzgerät

Zum Tragen von schwerem Atemschutz ist eine gesonderte Ausbildung notwendig. Um diese Ausbildung absolvieren zu können, muss vorher ein Fitnesstest gemacht werden, da mit dem Tragen von Atemschutzgeräten eine erhebliche körperliche Belastung einhergeht. Zum Einen müssen Atemschutzgeräteträger bei Brandeinsätzen die schwere Brandschutzkleidung tragen, zum Anderen kommt das Atemschutzgerät an sich sowie eine vielfältige Ausstattung an Geräten zur Brandbekämpfung hinzu.

Insgesamt wiegt diese Ausrüstung für den Atemschutzgeräteträger 55,8 kg. Die Zusammensetzung ergibt sich für die Freiwillige Feuerwehr Geisenheim aus der folgenden Tabelle:

Ausrüstung
Gewicht
Feuerwehrsicherheitsstiefel
2,7 kg
Flammschutzkleidung- Überhose
1,8 kg
Flammschutkleidung- Überjacke
2,3 kg
Feuerwehrsicherheitsgurt
0,9 kg
Brandbekämpfungshandschuhe
0,5 kg
Flammschutzhaube
0,1 kg
Feuerwehrhelm
1,4 kg
Pressluftatmer mit Stahlflasche
15,0 kg
Atemanschluss mit Lungenautomat
0,9 kg
Wärmebildkamera
2,8 kg
Leinenbeutel mit Leine
1,5 kg
Funkgerät 2-m-Band
0,5 kg
Notsignalgeber
0,2 kg
Fluchthaube
0,8 kg
Feuerwehrbeil (am Fw-Sicherheitsgurt)
1,0 kg
Feuerwehraxt
2,0 kg
Schlauchtragekorb
16,1 kg
Hohlstrahlrohr C
2,0 kg
Handlampe
1,2 kg
Rettungstasche
2,1 kg
Insgesamt
55,8 kg

Das Atemschutzgerät besteht im wesentlichen aus drei Komponenten: Atemluftflasche, Tragegestell mit Druckminderer und Atemanschluss.

Die Atemluftflasche ist eine Druckgasflasche. Sie fasst 1630 Liter Atemluft, zusammengepresst auf 6,8 Liter was einem Druck von 300 bar entspricht. Das Tragegestell nimmt die Atemluftflasche auf. Am Schraubverschluss angeschlossen ist ein Druckminderer mit Restluftwarneinrichtung. Diese warnt vor einem kritischem Luftvorrat und löst bei zirka 50 bar aus. Der Atemschutzgeräteträger kann seinen Restdruck auf einem Manometer ablesen.

Der dritte Teil des Atemschutzgerätes ist der Atemanschluss. Der Atemanschluss der Freiwilligen Feuerwehr Geisenheim besteht aus der Atemmaske und dem Lungenautomaten, der den Druck auf „atembare“ vier Millibar reduziert. Dieser Überdruck gibt den Feuerwehrangehörigen ein großes Plus an Sicherheit: Dadurch dass der Druck innerhalb der Atemmaske ein wenig höher ist als der Druck der in der Umgebung herscht, kann niemals Brandrauch in die Atemmaske eindringen. Dies schützt den Atemschutzgeräteträger auch bei Undichtigkeiten der Maske vor dem giftigen Brandrauch.
Um außerhalb der so genannten Rauchgrenze keine wertvolle Atemluft aus der Atemluftflasche zu verbrauchen, können die Lungenautomaten auch auf Umluftatmung geschaltet werden. Die durchschnittliche Einsatzzeit eines Atemschutzgeräteträgers beträgt, je nach körperlicher Belastung, 20 bis 30 Minuten.

Einsatztaktik

Aufgrund der hohen körperlichen Belastung und des hohen Gefahrenpotentiales von Atemschutzeinsätzen erfordern diese, neben umfangreicher Schulung und Ausbildung, besondere Einsatztaktiken. Einige der wichtigsten Taktiken der Freiwilligen Feuerwehr Geisenheim wollen wir Ihnen hier vorstellen.

Ein Atemschutztrupp geht im verrauchten Bereich nur mit Wasser am Strahlrohr vor. Das vollständige Anlegen der persönlichen Schutzausrüstung ist selbstverständlich, da lebenswichtig. Wichtigste Einsatztaktik ist das truppweise Vorgehen. Ein Trupp besteht aus mindestens zwei Feuerwehrangehörigen und trennt sich niemals. Dies geschieht aufgrund des Gefährdungspotentiales. Sollte ein Atemschutzgeräteträger in eine Notlage geraten, kann so der zweite Atemschutzgeräteträger noch einen Notruf absetzen. Weiterhin ist die Erfüllung des Einsatzbefehles, beispielsweise eine Menschenrettung, zu zweit leichter zu bewerkstelligen. Weitere Einsatztaktik ist die „tiefste Gangart“ in verrauchten Bereichen. Der Atemschutztrupp robbt oder kriecht dabei in Bodennähe, da wegen der Beschaffenheit des Brandrauches und der Hitze – diese sammeln sich an der Decke – dort bessere Sicht- und Wärmebedingungen herrschen.

Es besteht immer eine Rückwegsicherung an der sich der Trupp den Weg aus dem verrauchten Bereich ertasten kann. Gleichzeitig muss zu jeder Zeit Funkkontakt nach draußen bestehen, um im Notfall einen Notruf – die so genannte Mayday-Meldung – absetzen zu können.
Zwar kommen in Deutschland aufgrund der umfangreichen und anspruchsvollen Ausbildung nur höchst selten Atemschutznotfälle vor, um bei Eintritt eines Atemschutznotfalles aber sofort und wirksam Hilfe leisten zu können, muss bei jedem Atemschutzeinsatz mindestens ein Sicherheitstrupp bereitstehen, bei größeren Einsätzen sind es auch mehrere Sicherheitstrupps. Diese Trupps stehen nicht für den Einsatz an sich zur Verfügung, sondern halten sich für einen Atemschutznotfall bereit. Sie sollen im Ernstfall die in Not geratenen Atemschutzgeräteträger sofort retten können. Diese sehr verantwortungsvolle Aufgabe wird in der Regel von erfahrenen Atemschutzgeräteträgern wahrgenommen.

Brennt es in einem Raum längere Zeit ohne ausreichende Sauerstoffzufuhr, kann es an der Decke des Raumes zu einer Ansammlung von brennbaren Pyrolysegasen kommen. Bei Sauerstoffzufuhr, beispielsweise durch öffnen einer Tür, kann es zu einer Rauchgasdurchzündung oder einem Flash-Over kommen. Dies bedeutet ein schlagartiges Verbrennen der vorhandenen Pyrolysegase. Dadurch kommt es zu einer Feuerwalze an der Raumdecke.

Die Bekämpfung solcher Flash-Over ist eine schwierige, übungsintensive Aufgabe. Die fachgerechte Flash-Over/Rauchgasdurchzündungsbekämpfung beginnt bei der richtigen Türöffnung. Dazu begibt sich der Atemschutztrupp in die entsprechende Lage. Der Truppführer liegt vor der Tür, der Truppmann kniet mit dem Strahlrohr dahinter. Nach Ansage öffnet der Truppführer mit Hilfe einer Bandschlinge die Tür. Sollte sich eine Rauchgasdurchzündung oder ein Flash-Over ankündigen, kann der Truppmann mit zwei bis drei Sprühstößen aus dem Hohlstrahlrohr den Rauch effizient kühlen. Danach wird die Tür geschloßen und nach einer Wartezeit wieder geöffnet. Dieses Prozedere wird so oft wiederholt, bis der Rauch soweit heruntergekühlt ist, dass es nicht mehr zu einem Flash-Over oder einer Rauchgasdurchzündung kommen kann.

Sind bei einem Brandeinsatz Menschen vermisst, ist die Hauptaufgabe der Feuerwehr das Finden und Retten dieser Personen. Systematisch werden alle Räume im Brandobjekt durchsucht, bis die Person gefunden wurde. Hierbei leistet die Wärmebildkamera unschätzbare Hilfe, da es mit ihr möglich ist, Räume schnell und effektiv nach vermissten Personen zu durchsuchen. Der erste vorgehende Trupp kann mit dieser Kamera zeitnah die betroffenen Räume absuchen. Sollte die Person beim ersten Suchvorgang nicht gefunden werden, folgen weitere Suchdurchgänge. Dabei wird stets nach einem bestimmten Muster vorgegangen: Die Räume im Flur werden von der rechten Seite beginnend durchsucht.

Bei kleinen Räumen tastet sich der Atemschutztrupp immer an der Wand entlang, und durchläuft danach die Mitte. Bei größeren Räumen wird eine andere Suchtechnik benutzt, bei der sich der Atemschutztrupp mit der Leine immer von links nach rechts durch den Raum tastet.

Der Atemschutzeinsatz bringt meist eine hohe Stressbelastung mit sich. Auch wird Atemschutzgeräteträgern ein hohes Maß an Disziplin und Eigenverantwortung abverlangt. Daher wird der Ausbildung der Atemschutzgeräteträger in der Freiwilligen Feuerwehr Geisenheim ein hoher Stellenwert eingeräumt.

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